Eva Leohnhardt: „Wir sollten als Kirche mutiger werden“

Als Eva Leonhardt das erste Mal in Reilingen war, da kam sie inkognito. Die 41-Jährige wollte sich in dem Ort, in dem sie sich später als Pfarrerin beworben hat, erst einmal umschauen. Heute kennt fast jeder Reilinger die Mutter von vierjährigen Zwillingen, die gern singt, Gitarre spielt und mit ihrem Mann wandert. Im Interview erzählt sie, wie ihr erster Eindruck von Reilingen war und was sie gern verändern würde. Wir drucken einen Auszug des Interviews, das in voller Länge auf der Homepage der evangelischen Kirchengemeinde zu finden ist. (www.ev-kirche-reilingen.de)

Wandern Sie gern hier in der Region?
Weniger. Eher in der Nähe von Offenburg, dem Tor zum Schwarzwald, wo meine Eltern wohnen und ich aufgewachsen bin. Bevor unsere Kinder geboren wurden, haben mein Mann und ich große Reisen gemacht, die wir mit dem Wandern verbunden haben. Zum Beispiel waren wir in Afrika und sind auf den Kilimanjaro hoch­gewandert. Später war es dann die Zugspitze.

Was bedeutet Ihnen das Wandern?
Da kommt man los von allem, man bekommt einen freien Kopf. Ich möchte meinen Urlaub eher nicht im Liegestuhl am Strand verbringen. Da kreisen die Gedanken weiter. Beim Laufen ist das anders: Man läuft sich frei. Das ist ganz wichtig. Deshalb wandere ich auch gern weit entfernt von meiner Pfarrgemeinde, um Abstand zu gewinnen. Mit den Kindern hat sich der Schwerpunkt etwas verlagert. Wir waren dieses Jahr am Plattensee, wo wir natürlich vor allem Badeurlaub gemacht haben. Das ist aber auch schön. Und es war uns wichtig, solange wie möglich raus aus allem zu sein. Denn gerade als Pfarrerin ist man in einer Gemeinde immer etwas im Dienst. Ob beim Einkauf oder auf dem Spielplatz: Ich werde als Pfarrerin angesprochen. In Mannheim, wo ich vorher als Pfarrerin gearbeitet habe, war das anders. Aber ich mag es, wie es hier ist. Denn die wichtigsten Gespräche entwickeln sich oft ganz spontan – am Gartenzaun oder bei Rewe an der Kasse.


Was ist der Unterschied zwischen Mannheim und Reilingen?
Ich habe hier eine ganz andere Funktion: Ich bin hier wirklich eine Gemeindepfarrerin. In Mannheim war ich im Springerdienst und habe einige übergemeindliche Dienste ausgefüllt. Ich habe zum Beispiel die Menschen bestattet, die keiner Gemeinde angehört haben. Da war ich vielleicht auf zehn Friedhöfen unterwegs. In zwei Gemeinden habe ich ausgeholfen, weil der Pfarrer in den Ruhestand gegangen war. Ich war aber nie irgendwo voll angestellt.

Sie sind also in Reilingen auch zur Ruhe gekommen?
Ja. In Mannheim hatte ich keine Chance, die Menschen wirklich kennenzulernen. Ich kam zu Geburtstagen und wurde gleich gefragt, ob ich jetzt die neue Pfarrerin sei. Da musste ich sagen: „Ja, im Moment, aber nicht auf Dauer.“ Es hatte etwas Unverbindliches. Jetzt war es an der Zeit, etwas Dauerhaftes an einem Ort zu haben.

Wie haben Sie Reilingen kennengelernt und wie war Ihr erster Eindruck von der Gemeinde?
Wir sind nach Reilingen zunächst inkognito gekommen, bevor ich mich auf die Stelle beworben habe. Ich kann mich daran noch sehr genau erinnern. Es war der Sommertagsumzug im Jahr 2017, ein wunderschöner sonniger Tag, an dem sich der ganze Ort präsentiert hat. Wir hatten einen sehr positiven Eindruck. Und keiner wusste, wer wir sind. Ich habe niemandem erzählt, dass ich mich als Pfarrerin bewerben wollte. Das ganze Vereinsleben war uns damals noch eher fremd, weil wir immer in der Stadt gelebt haben. Reilingen war da schon exotisch. Uns war klar, dass das eine Umstellung sein wird. Aber mir hat sofort gut gefallen, dass die Reilinger eine solche Einheit bilden – eine gute Gemeinschaft. Die Menschen hier identifizieren sich mit ihrem Ort. Und ich habe gleich gespürt, dass ich nicht die einzige Zugezogene bin. Uns war wichtig, dass wir die Nähe zu Mannheim oder Heidelberg haben. Ich bin ein Stadtkind und muss mich manchmal auch ausklinken können. Ich kann auch mal einen Kaffee in Speyer trinken und dort meine Predigt schreiben.

Was Sie vielleicht auch mit anderen Reilingern verbindet…
Ja. Aber zugleich denken die Reilinger auch noch sehr traditionell. Da hat man als Pfarrerin, als Kirchengemeinde auch noch einen gewissen Stand. Es ist auch schön, dass die Kirche wahrgenommen wird, dass es selbstverständlich ist, dass die Kirche mitmischt. Es kommen hier deshalb auch mehr Menschen in den Gottesdienst. Für Jugendliche ist es eine größere Selbstverständlichkeit, sich konfirmieren zu lassen.

Walter Dorn, der Vorsitzende des Kirchengemeinderates, hat bei Ihrer Amtseinführung gesagt: „Wir wollen Traditionen bewahren, und wir wollen auch Neuem offen gegenüberstehen.“ Was haben Sie bereits Neues geschaffen?
Noch nicht viel, weil es ein ehernes Gesetz ist, dass man als Pfarrerin eineinhalb Jahre wartet, ehe man Änderungen einführt. In diesem Jahr war der Einschulungsgottesdienst das erste Mal ökumenisch, weil ich das aus anderen Gemeinden nur so kenne. Ich finde es auch wichtig, dass es eine gute ökumenische Zusammenarbeit gibt. In den ersten beiden Grundschulklassen ist es schon heute so, dass katholische und evangelische Kinder zusammen Religionsunterricht haben. Deshalb fand ich es absurd, dass in jeder Kirche ein eigener Einschulungsgottesdienst stattfindet. Zumal es im evangelischen Kindergarten katholische Kinder gibt und im katholischen sind protestantische Kinder. Die Mischung ist also schon vor der Schule vorhanden.

Wie war die Reaktion auf Ihren Vorstoß?
Alle haben ihn begrüßt. Dass es bislang keinen gemeinsamen Einführungsgottesdienst gab, wurde damit begründet, dass es zu wenig Platz in einer Kirche gab. Deshalb fand er jetzt auch in der evangelischen Kirche statt, weil es dort etwas mehr Plätze gibt. Wir haben es jetzt einfach einmal ausprobiert. Und vielleicht müssen wir das einfach noch einige Male wiederholen, bis auf allen Seiten Routine entsteht.

Warum ist die Ökumene bis heute so schwer umsetzbar?
Das hat auch etwas mit der Tradition in einem Ort zu tun. Es gibt Gemeinden mit einer seit Jahren gewachsenen Ökumene. In Reilingen ist die noch nicht so ausgeprägt. Das hat auch damit zu tun, dass auf katholischer Seite nicht immer ein Pfarrer als Ansprechpartner präsent ist. Der ist Dekan und für die ganze Seelsorgeeinheit zuständig und hat seinen Dienstsitz in Hockenheim. Er ist daher nur punktuell in Reilingen. Das erschwert das Ganze etwas. Es gab früher schon eine Phase, in der sich die Kirchengemeinderat und Pfarrgemeinderat getroffen haben. Das lag zuletzt aber eher brach, obwohl es an der Basis viele Kontakte gibt. Es ist aber auch so: Wenn man hier evangelisch ist, dann ist man das sehr bewusst. Dann möchte man auch sein evangelisches Profil bewahren. Ich habe zu Beginn meiner Zeit hier im Kirchengemeinderat nach den Gründen für die schwache Ökumene gefragt. Die Antwort war: Wir brauchen das nicht. Nicht weil wir uns abgrenzen wollen, sondern weil wir genug Gottesdienstbesucher haben.

Was würden Sie noch gern verändern?
Ich fände es toll, modernere Gottesdienste zu feiern. Wir sollten mutiger werden, indem wir zum Beispiel zu einer anderen Uhrzeit beginnen, vielleicht mal abends statt morgens. Also nicht ein zusätzlicher Gottesdienst, sondern der einzige an einem Sonntag. Der könnte zum Beispiel um 18 Uhr am Sonntagabend beginnen. Das könnten wir zur Tradition an sechs Sonntagen im Jahr machen. Während meines Probedienstes in Sinsheim habe ich damit sehr gute Erfahrungen gemacht.

Und in Reilingen?
Hier ist das schwierig umzusetzen, weil viele den Sonntagmorgen verteidigen. Auf der anderen Seite wurde ich bei meinem Vorstellungsgespräch gefragt, wie ich mehr jüngere Leute in die Gottesdienste bringen will. Das Patentrezept dafür habe ich auch nicht. Aber ein Gottesdienst am Sonntagabend könnte ein Weg sein. Oder Filmgottesdienste. Oder wir könnten die Band des CVJM mehr in den Gottesdienst integrieren. Das sind meine persönlichen Vorstellungen. Wenn die Reilinger Gemeinde allerdings sagt, dass sie ihre traditionellen Gottesdienste beibehalten und am evangelischen Gesangbuch festhalten möchte, dann ist es meine Aufgabe als Pfarrerin, mich mit der Gemeinde zu identifizieren. Dann kann ich mich in zwei oder drei Gottesdiensten im Jahr ausleben, ansonsten werde ich mich dann anpassen.

In Speyer gibt es in einer Kirchengemeinde einen zweiten Gottesdienst mit eigener Band und einem Motto wie die Fußball-WM. Ist das für Sie auch in Reilingen vorstellbar?
Das müssten wir auf regionaler Ebene machen. Und es gibt ja schon eine Kooperation in der Region zusammen mit Hockenheim, Altlußheim und Neulußheim, etwa in Form eines Konfitreffens mit Konfirmanden aus allen Gemeinden. Da wird es in Zukunft sicherlich noch mehr Kooperationen geben, zum Beispiel regionale Gottesdienste in einer anderen Gemeinde. Es ist doch schön, die Regionen miteinander zu verbinden. Es bewegt die Menschen, wenn der Himmelfahrtsgottesdienst einmal nicht in Reilingen, sondern unter freiem Himmel mit Posaunenchor in Neulußheim stattfindet. Gleiches gilt im Sommer, wenn viele Pfarrer Urlaub machen. Das kann dann auch bedeuten, dass ein Gottes­dienst in Reilingen erst um 11 Uhr beginnt.

Sie haben sich in Ihrer ersten Predigt mit dem Thema Sorge beschäftigt. Wovor sorgen Sie sich?
Sorgen mache ich mir nicht. Ich weiß schon, dass ich viel Sorge tragen muss. Und ich nehme die Sorgen anderer sehr ernst. Aber ich selbst bin kein besonders besorgter Mensch, eher eine Optimistin. Und ich habe viel Vertrauen – darauf, dass ich nicht allein wirke, sondern dass Gott immer mit mir ist. Ich mache mir aber Gedanken, wie es mit der nächsten Kirchengemeinderatswahl im Dezember 2019 wird. Viele werden dann auch aus Altersgründen aufhören. Deshalb denke ich darüber nach, wie wir neue, auch jüngere Mitglieder finden können, die dann auch gut miteinander zusammenarbeiten und die Gemeinde gut repräsentieren können.


Sie sorgen sich also nicht um die Kirche?
Nein. Aber ich finde schon, dass wir uns als Kirche modernisieren müssen. Wir sollten offen sein und mit der Gesellschaft mitgehen. Dazu gibt es ja auch andere Meinungen: dass man gerade als Kirche ein Zeichen der Stabilität setzen muss. Nach dem Motto: Gerade das Unveränderte gibt Halt. Das sehe ich etwas anders. Wenn sich die Kirche in den vergangenen Jahrzehnten nicht verändert hätte, dann wäre ich vielleicht nicht Pfarrerin geworden. Deshalb freue ich mich, dass sich die Badische Landeskirche modernisiert hat. Und daher bin ich zuversichtlich, dass das so weitergeht. Ich begrüße auch Veränderungen wie die Trauung homosexueller Paare.

Wo tut sich die Kirche denn noch schwer?
Bei Lebensordnungen bei Amtshandlungen wie Taufe, Konfirmation, Trauungen oder Beerdigungen. So ist die Bestattung von Menschen, die aus der Kirche ausgetreten sind, nicht erlaubt, es sei denn, es gibt eine Ausnahmegenehmigung. Oder wenn es um Trauungen außerhalb von Kirchen geht. Das sind scheinbar kleine Dinge, bei denen es aber viele Anfragen gibt. Was Trauungen angeht, kann das für mich als Pfarrerin ja auch eine schöne Erfahrung sein. Und ich traue den Menschen zu, dass sie sich das gut überlegt haben. Da liegt noch einiges im Argen, was viel selbstverständlicher werden müsste.

Es gibt kaum etwas Umstritteneres als eine Predigt. Die einen mögen sie nicht, die anderen streiten darüber. Wie entsteht bei Ihnen eine Predigt, und sprechen Sie mit Ihrem Mann darüber?
Ja. Nicht immer, aber oft. Wenn ich weiß, dass es ein heikles oder kontroverses Thema ist, oder ich nicht sicher bin, ob ich mutig genug oder zu gewagt bin, dann frage ich meinen Mann. Manchmal lese ich ihm auch den Predigttext vor. Es passiert sogar, dass ich ein Zitat von ihm einbaue, ohne das zu verraten. Mein Mann ist Informatiker und kirchlich nicht so stark engagiert. Deshalb hat er eine gute Außensicht.

Das Gespräch führte der Koblenzer Redakteur Christian Kunst,
der mit der Redakteurin des Gemeindeblattes, Korina Dielenschneider, befreundet ist.

Spontanität ist gefragt:

Der französische Dichter Marcel Proust erfand den Fragebogen als Gesellschaftsspiel. Wir haben dieses Spiel in verkürzter Form am Ende des Interviews mit Pfarrerin Eva Leonhardt gespielt:

Wenn ich entspannen möchte, höre ich am liebsten…
…meinen YouTube-Mix. Der besteht vor allem aus ziemlich schräger Rockmusik.

Wenn ich die freie Wahl für ein Musikkonzert hätte, würde ich gehen zu…
…Nick Cave and the Bad Seeds.

Drei Bücher, die alles für mich bedeuten, sind…
…die Bibel. Die harten skandinavischen Krimis, wie die Mankell-Klassiker. Und „Das gewünschteste Wunschkind aller Zeiten treibt mich in den Wahnsinn“, ein Erziehungsratgeber von Danielle Graf.

Wenn ich nicht Pfarrerin geworden wäre, wäre ich heute…
…Tierärztin

Mein Satz des Glaubens aus der Bibel lautet…
…„Kein Weg lässt uns Gott gehen, den er nicht selbst gegangen wäre.“ Der Satz stammt von Dietrich Bonhoeffer. Und er stimmt. Ich habe mir diesen Satz während meines Examens in großen Buchstaben über meinen Schreibtisch gehängt. Er hat mir in Krisensituationen geholfen, wenn ich Angst vor einer Prüfung hatte. Ich habe ihn mir aber auch bei schönen Erlebnissen gesagt. Es ist so beruhigend für mich, dass ich weiß: Gott ist schon da.

So richtig auf die Palme bringt mich, wenn…
…ich den Satz höre: „Es war doch schon immer so.“

Einladung zur biblischen Weinprobe am 7. Dezember 2018 ab 20 Uhr im Wendelinushaus Reilingen



Jugendgottesdienst am 21. Oktober 2018


Konfizeit – schöne Zeit?!

Liebe Gemeinde,

viele Jahre durfte ich verschiedene Konfirmandenjahrgänge begleiten. Bei der letzten Konfirmation im Mai dieses Jahres nahm ich nun Abschied.
Die Entscheidung aufzuhören fiel mir nicht leicht, aber es war an der Zeit, jüngere Betreuer mit ins Boot zu nehmen.

Ich könnte als ehemalige Begleiterin der Konfirmanden ein Buch schreiben. Mit vielen schönen Erlebnissen, aber es gab auch Tiefpunkte. Doch das Gute, das Miteinander, hat gesiegt.
Was hat sich nicht alles in den vielen Jahren der Konfirmandenzeit geändert. Das Fest der Konfirmation wurde von Ostern verlegt, damit die Konfis nicht nur Geburt und Leben von Jesus erfahren, auch die Zeit der Kreuzigung und Auferstehung.

Streng ging es früher zu! Aber auch in meiner Konfirmandenzeit haben wir manchmal unserem Pfarrer Streiche gespielt, damit er sich so richtig aufregt. Hat geklappt! Wir wurden oft angeschrien, lachen durfte man nicht. Wir mussten auch viel auswendig lernen und die Konfirmanden-Prüfung war nicht einfach.

Da haben es unsere Konfis heute besser, und das ist auch gut so. Was haben wir im Unterricht gelacht und diskutiert. Doch dann wieder Ruhe reinzubringen, das war für mich oft grenzwertig. Aber nur manchmal. Sie waren immer „meine Konfis“. Ich hatte sie gerne und darum gab es auch in jeder Stunde Kekse oder Gummibärchen.

Für die Jungs und Mädchen war es im Laufe ihrer Konfirmandenzeit nicht immer leicht sich zu konzentrieren. Oft kamen sie gestresst nach einem langen Schultag zum Konfi-Unterricht. Dann hieß es auch hier, aufmerksam zu sein, ruhig, mitarbeiten und sonntags früh aufstehen, zum Gottesdienst gehen und auch hier hieß es aufmerksam sein, ruhig sein.

Dann kam schon auch mal ein Spruch wie „blöde Konfi-Zeit, bin froh, wenn das wieder vorbei ist“. Da fühlte auch ich mich in der Verantwortung, in der Zeit, in der ich die jungen Menschen begleiten durfte, Ihr Ansprechpartner zu sein. Und wenn Sie dann nach einem Jahr Konfi-Unterricht sagen konnten: „Schade, dass die Zeit vorbei ist, es war doch schön“. Dann war auch ich glücklich und zufrieden.
Aber der Weg dahin war lang und ist lang, nicht immer leicht und doch bin ich froh, dass wir Ihn gemeinsam gehen durften.

Interessant fanden es die Konfis, Ihre Kirche zu erkunden, und unser Kirchendiener Herr Hocker war geduldig und er konnte auch alle Fragen beantworten. Ich lernte viele junge Menschen kennen, die sehr verschieden waren und viele, viele Namen musste ich mir merken. Das war auch für mich nicht einfach. Gut, mal waren sie unruhig und laut – sehr laut. Dann wieder aufmerksam, bereit mitzuarbeiten und haben mich immer wieder überrascht, wie kreativ sie sind.

In der Gruppenarbeit waren sie immer stark. Wenn ich ihre Fürbittengebete gelesen habe, war ich manchmal den Tränen nah. Sie beteten für den Weltfrieden, die Umwelt, für Mama und Papa, dass Sie sich nicht trennen und für die ganze Familie und Freunde.
Manche Jahrgänge gestalteten mit Ihren eigenen Worten ein Vaterunser, das man zu jeder Zeit in der Kirche, beim Gottesdienst lesen konnte. Oft waren sie auch mutig und gingen auf die Straße und haben Gemeindeglieder gefragt: Sind sie getauft? Kennen Sie die zehn Gebote? und vieles mehr. Meistens sammelten sie dabei gute Erfahrungen, über die dann im Unterricht gesprochen wurde.

Ein Konfi-Jahrgang arbeitete an einem ökumenischen Mahnmalprojekt für die deportierten Juden Badens.
Wir besuchten mit verschiedenen Gruppen die Johanns-Diakonie in Mosbach. Da konnten unsere jungen, gesunden Jugendlichen sehen und erfahren, dass das Leben mit einer Behinderung auch lebenswert ist. Für mich war es auch immer erfreulich, wenn sich die Konfis am Gottesdienst beteiligten. Da war ich schon stolz auf „meine Konfirmanden“.

Die Konfis wurden für das Abendmahl vorbereitet und über die Taufe informiert. Pfarrer Hirsch brachte eine Babypuppe mit, dazu Taufschale und Taufkanne. Jeder, jede durfte die Puppe taufen mit den Worten, die sie gelernt hatten. Ach die arme Puppe! Mal flog sie hin, mal flog sie her, sie landete auf dem Boden und alle freuten sich. Bis auf Pfarrer Hirsch und ich. Aber nach einem Machtwort kehrte wieder Ruhe ein und die Baby-Puppe wurde getauft. Alles war gut.

Sehr gerne habe ich mit den Konfis in der Bibel gelesen. Dadurch hörten sie von Maria und Josef, der Geburt Christi. Von Jesus, der die Menschen zu Jüngern machte, von seinem Leben und Wirken, seine Bergpredigt, bis hin zur Kreuzigung und Auferstehung. Und sie lernten Psalmen lesen.

Die Konfis haben erfahren: Jesus lebt und wir werden mit Ihm leben.
Über meine Zeit mit den Konfirmanden gäbe es noch so viel zu erzählen. Es gab sehr viel schönes, auch viel Stress und manche lustige Episode. Konfirmanden sind junge Menschen, die nachfragen und die im Unterricht auch mich immer wieder an meine Grenze brachten. Es gibt Dinge die lassen sich mit unseren menschlichen Worten nicht mehr erklären. Da war es für mich gut, einen Pfarrer oder eine Pfarrerin an der Seite zu haben. Es war immer schön, mit den Konfis zu lernen, sich über unseren Glauben auszutauschen.

Ich bin dankbar, dass ich solche jungen Menschen begleiten durfte. Sie waren eine Bereicherung in meinem Leben. Nach jeder Konfirmandenzeit, nach jedem Abschied kam Traurigkeit auf und oft flossen die Tränen.
Aber wenn mich dann meine Konfis umarmten und feststellten, dass ihre Konfi-Zeit eine schöne Zeit war, dann war ich glücklich. Ich habe versucht, all die vielen Jahren, ein Samenkorn in das Herz der Konfirmanden zu legen. Ein Samenkorn der Liebe, des Vertrauens, der Hoffnung, des Glaubens so wie es in der Bibel steht. Ein Weizenkorn, das wie so oft in die Erde fällt und dann doch zu fruchttragendem Getreide erwächst. Ich bin voller Hoffnung, dass mein Samenkorn der Liebe aufgeht. Ich wünsche allen Konfirmanden, dass sie im Glauben wachsen und in der Liebe Gottes bleiben können. Dass sie Menschen finden, die es ehrlich mit ihnen meinen, gute Freunde, die sie auf ihrem weiteren Lebensweg begleiten.

Zu den neuen Konfirmanden/Konfirmandinnen sage ich: Ihr seid unserer Kirchengemeinde herzlich willkommen. Frau Pfarrerin Leonhardt und Ihr Konfi-Team freuen sich auf Euch.

Alles Liebe, Trudel Eichhorn.

Ambulanter Hospizdienst Kirchliche Sozialstation Hockenheim e.V.

Gesprächskreis für Trauernde am Mittwoch, 4. April 2018, 19.30 Uhr

Trauern gehört mitten in das Leben, das mit anderen Menschen geteilt wird.

Ist das wirklich so? Oder sind Trauernde mit ihrer Trauer mit ihrem Schmerz um den Verlust eines nahe stehenden Menschen allein?

Die Wirklichkeit eines Todes braucht Anerkennung durch andere. Das Sprechen über den geliebten Menschen und die Art seines Sterbens ist sehr wichtig. Tatsachen und Gefühle, die sich nur in der Vorstellung der oder des einzelnen Trauernden abspielen, bleiben viel unwirklicher als solche, die mit anderen geteilt werden. Wirklichkeit braucht die Bestätigung durch Menschen, die zuhören, sich auseinandersetzen, ihre eigenen Erfahrungen durch die eigene Betroffenheit beisteuern.

Mit dem Gesprächskreis für Trauernde bietet der ambulante Hospizdienst der Kirchlichen Sozialstation Hockenheim, die evangelische und katholische Kirchengemeinden, Menschen die den Verlust eines nahe stehenden Menschen erleben, die Möglichkeit zum Austausch mit ebenso Betroffenen.

Der nächste Gesprächskreis findet am Mittwoch, 04. April 2018 um 19.30 Uhr in den Räumen der Kirchlichen Sozialstation Hockenheim, Obere Hauptstr. 47 im Liliane Juchli Haus statt.

Weitere Informationen erhalten sie unter der Telefonnummer 06205-943318,
Beate Bikowski, ambulanter Hospizdienst der kirchlichen Sozialstation Hockenheim.

Das Lebensende in den Blick nehmen

Hospiztage der Kirchlichen Sozialstation Hockenheim

Habe ich ein Recht auf selbstbestimmtes Sterben? Hilft mir mein Glauben? Wie steht es um die Pflege alter Menschen in Heimen? Wie kann eine kirchliche Sozialstation Menschen muslimischen Glaubens begleiten?

Diese Fragen und erste Antwortversuche stehen im Mittelpunkt der Hospiztage, die von der Kirchlichen Sozialstation im April veranstaltet wird. Beate Bikowski, Leiterin des Hospizdienstes der Sozialstation und Pfarrer Michael Dahlinger aus Hockenheim haben für vier Abende ein ansprechendes wie anspruchsvolles Programm zusammengestellt.

Den Auftakt macht Klaus Holland. Er ist Autor zahlreicher Bücher, Ratgeber und Fachaufsätze sowie einer bekannten Vorsorgemappe für die letzte Lebensphase. Ausgehend von der Gesetzeslage geht er folgenden Fragen nach: Wo genau liegen die Trennlinien zwischen der erlaubten Beihilfe zum Suizid und der unerwünschten professionellen Ausübung dieser Hilfe zum Sterben? Wie steht es eigentlich bei uns um die vom Grundgesetz garantierte Selbstbestimmung in der letzten Lebensphase?

Können Religion und Glauben, kann Beten trösten? Und wenn ja, wie geht das? Hilfe schenkt ein Gottesdienst, den Pfarrer Michael Dahlinger und Beate Bikowski gestalten. Ausgangspunkt ist dabei das Gebet des schwerkranken Königs Hiskia, das in der Bibel überliefert ist.

Der Pflegenotstand ist ein gesellschaftliches Dauerthema. Talkrunden dazu gibt es viele. Die ARD-Reihe »Polizeiruf 110« hat sich ebenfalls des Themas angenommen. In eine Krimihandlung eingebettet erlebt der Zuschauer hautnah einen Nachtdienst in einem Pflegeheim aus der Sicht eines Kommissars. Im Anschluss besteht die Möglichkeit zum Gespräch mit Pia Haas-Unmüßig, Diakonisches Werk Baden.

Inzwischen gehören auch muslimische Mitbürger ganz selbstverständlich zu den Patienten der kirchlichen Sozialstation. Was für Herausforderungen erwarten hier die Pflegekräfte? Auf welche kulturellen und religösen Bedürfnisse gilt es hier Rücksicht zu nehmen? Ümmügülsüm Koc ist selber Muslima und arbeitet als examinierte Altenpflegerin bei der Kirchlichen Sozialstation und ist Palliativfachkraft in Ausbildung. Sie wird von ihren Erfahrungen berichten.

Alle Termine auf einen Blick:

  • Recht auf Sterben?
    Donnerstag, 12. April, 19:00 Uhr, Altlußheim, Emil-Frommel-Haus, Rheinhäuser Straße 33
  • Um Trost war mir sehr bange – Gottesdienst
    Sonntag, 15. April, 10:00 Uhr, Hockenheim, Lutherhaus, Obere Hauptstraße 24
  • Polizeiruf 110: Nachtdienst – Filmabend
    Dienstag, 17. April, 19:00 Uhr, Hockenheim St. Christophorus, Obere Hauptstraße 4
  • Sterbebegleitung für Muslime – Vortrag
    Donnerstag, 19. April, 19:00 Uhr, Neulußheim, Evang. Gemeindehaus, St. Leoner Straße 1

mehr Infos gibt es unter www.evangelisch-in-hockenheim.de

Taizé Andacht des CVJM

Am Samstag, dem 7. April findet in der evangelischen Kirche in Reilingen eine Taizé Andacht statt. Die Gesänge aus Taizé sind gesungene Gebete. Das ruhige, gemeinsame Singen lässt zur Ruhe kommen und in der Gemeinschaft Geborgenheit finden. Frere Roger, der Gründer von Taizé sagte einmal: „Nichts führt in innigere Gemeinschaft mit dem lebendigen Gott, als ein ruhiges gemeinsames Gebet, das seine höchste Entfaltung in anhaltenden Gesängen findet, die danach, wenn man wieder allein ist, in der Stille des Herzens weiterklingen.“ Der CVJM Reilingen lädt ein um 18:10 Uhr die Belastungen der Woche hinter sich zu lassen. Die Möglichkeit zum persönlichen Gespräch besteht nach der Andacht bei einer Tasse Tee.

Gottesdienste zu Ostern in der Reilinger Evangelischen Kirche

In diesem Jahr finden zu Ostern in der Evangelischen Kirche besondere Gottesdienste statt, die auf je eigene Art österliche Freude zum Ausdruck bringen.

Am Ostersonntag findet um 9:45 Uhr ein Gottesdienst statt, der vom Flötenkreis des CVJM musikalisch gestaltet wird. In diesem Gottesdienst werden wir zwei Kinder taufen – deutlicher kann man die Freude über neues Leben nicht veranschaulichen. Es soll ein fröhlicher, lebendiger Gottesdienst werden, zu dem besonders auch Familien herzlich eingeladen sind.

Am Ostermontag feiern wir um 9:45 Uhr einen Gottesdienst mit Abendmahl, den unser Reilinger Gospelchor mitgestaltet, zu dem wir ebenfalls herzlich einladen. „Gospel“ heißt übersetzt: „Evangelium“ oder „Frohe Botschaft“ – und wir freuen uns sehr, dass der Gospelchor mit Sebastian Schlöffel nun wieder einen neuen Chorleiter hat, den wir in diesem Gottesdienst noch einmal ganz herzlich bei uns willkommen heißen!

Herzliche Einladung zum Gottesdienst


Auftanken für alle: "Zeig dich, ohne zu kneifen"


Die bereits zum fünften Mal stattfindende Abendandacht in der evangelischen Kirche erhält gute Resonanz.

Unter dem Rahmenthema der Fastenaktion in der Passionszeit "Zeig dich,…7 Wochen ohne zu kneifen" treffen sich derzeit zwischen 15-20 Personen, um in gemütlicher, bunt gemischter Runde im bestuhlten Altarbereich den Tag ausklingen zu lassen.

Die Abende stehen jeweils unter einem bestimmten Thema, ein entsprechender Bibeltext dient als Grundlage, ansprechende Texte sind zu hören und neue, von Gitarren begleitete Lieder mitzusingen. Hierbei greifen wir auch auf Liederhefte zurück, die von Konfis gespendet wurden.

Den Rahmen der Andachten bildet ein eigens dafür erstellter kleiner liturgischer Ablauf, den die Teilnehmer in einem kleinen Heft mitverfolgen können.
Die Verabschiedung mit einem Segenswort und einem themenbezogenen Flyer lädt zum Wiederkommen ein.

Herzliche Einladung zur letzten Andacht dieser Reihe in der evangelischen Kirche, am Dienstag, 27.3., 19.00 Uhr