Defekte Heizungsanlage muss erneuert werden, die Finanzierung bereitet Probleme

Wärme erzeugt Risse im Kirchengebälk!

Die Heizungsanlage der evangelischen Kirche lässt sich nicht regeln (das bedeutet entweder komplett aus und kalt, oder voll an und zu warm).                                                                                            Bald wird sie wohl gar nemme gehen, also nur noch aus – wenn sie nicht erneuert wird!!

Foto zeigt eine Säule mit tiefen Rissen (zu warm und zu trocken)in der Ev. Kirche   T.Beier

Ihren 200. Geburtstag feierte die evangelische Kirche im Jahr 2020. Eine der spannenden Fragen beim Jubiläum war, ob sie dem Baumeister Georg Frommel zuzuschreiben ist oder doch Friedrich Weinbrenner, dem Vorgesetzten Frommels. Nicht diskutiert wurde hingegen die Frage, wie lange das unter Denkmalschutz stehende Gotteshaus noch vor sich hat. Ein durchaus berechtigtes Ansinnen, denn es ist nicht der buchstäbliche Zahn der Zeit, der an dem ehrwürdigen Gemäuer nagt, es ist die marode Heizungsanlage, die ihm zusetzt.

 

Vieles spricht dafür, dass Weinbrenner maßgeblichen Einfluss auf die Pläne hatte, auch wenn eine Doppelempore, wie sie sich in Reilingen findet, ansonsten nicht zu seinem Repertoire zählt. Doch ein erster Entwurf von Frommel, eine Kirche mit gotischen Wurzeln und im Stil des Klassizismus, wurde durch Baudirektor Weinbrenner einkassiert. Die umgesetzten Pläne ähneln seinen Stilelementen. Auch Weinbrenner baute mit Emporen, nur eben keine doppelten. Die in der Gemeinde errichtete Doppelempore wird durch Holzsäulen getragen, die wohl aus Platzgründen quadratisch ausgeformt sind.

Feuern auf Hochtouren

Und an diesen Säulen und Balken setzt der Schaden an, nicht am Gemäuer. Denn, so schildert es der Kirchengemeinderatsvorsitzende Walter Dorn im Gespräch mit unserer Zeitung, die Heizungsanlage kennt nur zwei Zustände – „Aus“ oder „An“ und bei „An“ wird ausschließlich auf Hochtouren gefeuert. Als Grund nennt das Mitglied des Bauausschusses einen defekten Regler, der sich nicht ersetzen lasse. Die große Wärme führt im Kirchenschiff zu einer sehr trockenen Luft, entzieht den Holzbalken und -säulen die Feuchtigkeit und macht sich durch Risse bemerkbar. Doch nicht nur die Bausubstanz leidet, auch der Orgel bekommt die Trockenheit nicht.

Das Austrocknen des Holzes lässt sich auch akustisch verfolgen, stellte Pfarrerin Eva Leonhardt fest und erinnert an die Video-Gottesdienste, die während des Lockdowns eingespielt wurden. Allerdings nicht in der Kirche. Das Knarren des austrocknenden Holzes machte Tonaufnahmen in der Kirche unmöglich.

Zwar finden derzeit keine Präsenzgottesdienste statt, merkt die Pfarrerin an, doch im Nebenraum durchaus Veranstaltungen – am Tag unseres Gesprächs probte gerade die Flötengruppe der Musikschule – sodass die Heizung nicht einfach abgeschaltet werden kann. Und wenn Frost droht, ist dies ohnehin nur eine theoretische Möglichkeit.

Unabhängig von den Schäden für die Kirche – nachhaltig ist das Heizen auf höchster Stufe nicht und auch finanziell für die Kirchengemeinde eine große Bürde. Vor diesem Hintergrund mag man es kaum glauben, dass die defekte Heizung der Kirchengemeinde schon seit einem Dutzend Jahren zusetzt. Der Grund liegt auf der Hand – bei einer Heizungsanlage, die eine Kirche samt Nebenräumen befeuert, geht ein Ersatz schnell in den sechsstelligen Euro-Bereich. Eine Summe, die von der Kirchengemeinde allein nicht gestemmt werden kann, sie ist auf Zuschüsse angewiesen. Und damit kommt der Evangelische Oberkirchenrat ins Spiel.

Schon öfter waren Vertreter der Karlsruher Kirchenbehörde vor Ort und begutachteten die Situation, nahmen Messungen im Innen- und Außenbereich der Kirche vor. Stets mit dem gleichen Ergebnis – „ihr müsst unbedingt etwas machen“, wurde den Verantwortlichen in Reilingen mitgeteilt. Doch wenn die Kirchengemeinde habe handeln wollten, sei stets ein Veto aus Karlsruhe gekommen, wohl auch weil die zuständigen Personen im Oberkirchenamt ständig wechselten und man immer wieder bei Null habe anfangen müssen zu argumentieren.

Ein letzter Ortstermin fand vor etwas mehr als drei Jahren statt, dabei wurde von den Gutachtern festgestellt, dass die Heizungsanlage defekt sei, über keine Steuerung verfüge und zu erneuern sei. Empfohlen wurde der Kirchengemeinde zudem der Einbau einer Heizungs- und Feuchtigkeitssteuerung.

Pfarrerin Leonhardt, die zu dem Zeitpunkt schon in Reilingen war, betont, dass 2020 eine entsprechende Voruntersuchung in Auftrag gegeben worden sei. Dann kam Anfang 2021 ein Baumoratorium innerhalb der evangelischen Landeskirche. Diese befindet sich in einem Umstrukturierungsprozess und will, bevor weitere Baumaßnahmen bewilligt werden, warten, bis der Prozess abgeschlossen ist. Weshalb sämtliche Vorhaben bis 2023 eingefroren sind.

Mit dem Ergebnis, dass ein entsprechender Antrag der Kirchengemeinde auf Erneuerung der Heizungsanlage, gestellt im Mai 2021, im Dezember desselben Jahres abgelehnt wurde. „Wir haben formal Widerspruch gegen den Entscheid eingelegt“, stellt Leonhardt fest und sinnt zusammen mit Dorn auf andere Möglichkeiten, den Schaden zu beheben. Immerhin handelt es sich um einen Notfall, habe die Kirchengemeinde auch eine Verkehrssicherungspflicht und schulde man dem unter Denkmalschutz stehenden Gebäude Fürsorge. „Uns geht die Bausubstanz kaputt“, seufzt Dorn, der keine Hoffnungen mehr hat, die Reihe der immer wieder erfolgten notdürftigen Reparaturen der Heizung noch lange fortsetzen zu können.

Energie wird verschleudert

Kirchengemeinderätin Nadine Bikowski ist Vorsitzende des Bauausschusses und verweist auch auf den ökologischen Unsinn der defekten Heizungsanlage, die die Energie verschleudere. Dennoch komme in der Kirche der „Grüne Gockel“ nicht zum Zuge, pflichtet ihr Dorn bei. Mit dem Ökosiegel spielt er auf ein CO2-Minderungsprogramm der Landeskirche an, mit dem der ökologische Fußabdruck verringert werden soll. Aber, merkte die Pfarrerin an, sämtliche Gutachter hätten der Kirchengemeinde versichert, dass sich das Programm vor Ort nicht umsetzen lasse, dazu seien die Voraussetzungen in dem denkmalgeschützten Gebäude nicht vorhanden. Und damit schließt sich auch dieser Fördertopf.

„Wir wollen ja zur CO2-Neutralität beitragen“, stellt Leonhardt fest, doch selbst das Umweltbüro des Oberkirchenrates hätte der Gemeinde versichert, es gehe vor Ort nicht, weshalb der Kirchengemeinde nun als einziger Ausweg bleibt, die Maßnahme auf eigene Kosten in Angriff zu nehmen. „Aber wir haben kein Geld“, verweist Bikowski auf leere Kassen und betont, auf Drittmittel angewiesen zu sein: „Ohne Förderung ist die Aufgabe nicht zu leisten.“

Fest steht für das Trio: Eine geschlossene Kirche will in der Gemeinde niemand und ein Gotteshaus ohne Heizung ist auch wegen des Denkmalschutzes keine Option. Was bleibt, ist die Hoffnung auf einen schnellen Frühlingsbeginn und wärmere Temperaturen. Dann öffnet sich ein Zeitfenster bis zum Herbst, in dem sich eine Lösung für die marode Heizungsanlage finden und die Finanzierung auf solide Beine gestellt werden muss.

Denn Fakt sei, so Bikowski, die Kirche gehört in der Gemeinde zum öffentlichen Leben, hier funktioniere die Dorfgemeinschaft noch